Podcast von Sepp Vilsmeier am 09.06.2024

Gedanken zur Auferstehung und zu Licht als Metapher für Gott
Liebe Hörerinnen und Hörer unserer Cursillo Audiobotschaften!
So wie ich es schon oft getan habe werde ich wieder Gedanken von Richard Rohr, einem
Franziskanerpater, der in Albuquerque in den USA lebt, mit euch teilen und meine eigenen
Überlegungen hinzufügen. Ostern ist ja noch nicht so lange her und Auferstehung bzw.
Auferweckung sind genauso ein spannendes Thema, wie es Licht als Metapher für Gott ist.
Das hat auch mit Auferstehung zu tun.
Richard Rohr erklärt, wie die Auferstehung uns Hoffnung gibt, insbesondere in schwierigen
Zeiten: Ich frage mich oft, warum so viel im menschlichen Leben so vergeblich, so tragisch,
so kurz und so traurig erscheint. Wenn Christus auferstanden ist, warum sterben Menschen,
bevor sie wirklich zu leben beginnen? Warum gibt es immer Krieg irgendwo auf der Welt?
Warum werden so viele Menschen zu Unrecht inhaftiert? Warum werden die Armen
unterdrückt? Warum zerstören wir so viele unserer Beziehungen? Warum zerstören wir
unsere Umwelt auf Kosten der nachfolgenden Generationen?
Wenn Christus auferstanden ist, warum gibt es dann so viel Leid? Was hat Gott vor? Es
ergibt wirklich keinen logischen Sinn. Ist die Auferstehung etwas, das nur einmal passiert ist,
in seinem Körper, aber nicht in unserem?
Richard glaubt, dass die Auferstehung Christi zeigt, dass das Jüngste Gericht bereits
stattgefunden hat. Es ist nichts, was wir fürchten müssen. Es ist nichts, was wir vermeiden
oder leugnen müssen. Gottes letztes Urteil ist, dass Gott das letzte Wort haben wird! Ostern
zeigt, dass es keine Sackgassen gibt. Natürlich schauen wir uns um, auf die Geschichte und
das Leben in seinen alltäglichen Momenten und es scheint: „Nein, nein, das stimmt nicht.“
Und doch bricht immer wieder, hier und da, mehr als wir vermuten, neues Leben für
diejenigen auf, die bereit sind, dieses universelle Geheimnis der Auferstehung zu sehen und
daran mitzuwirken. Wir haben in unserem Teil der Welt so viel Glück, dass Ostern mit dem
Frühling zusammenfällt. Ihr habt sicher gesehen, wie die Blätter und Blüten nach Monaten
des Winters wieder neu aufleben. Wenn die Sonne aufgeht, dann sieht es so aus als ob das
Licht von der Erde kommt. Es erscheint aus der Welt in der wir leben herauszuströmen. Es
kommt nicht von oben, sondern von unten. Es scheint zu sagen, dass sogar alles, was
materiell aussieht, sogar alles, was so gewöhnlich und sterbend aussieht, wiedergeboren
wird. Ostern ist das Fest der Hoffnung. Dies ist das Fest, das besagt, dass Gott das letzte
Wort haben wird und dass Gottes letztes Gericht die Auferstehung ist. Gott wird alles, was
wir verstümmeln, zerstören und verletzen in Leben und Schönheit verwandeln.
Was die Auferstehung mehr als alles andere offenbart, ist, dass die Liebe stärker ist als der
Tod. Jesus geht den Weg des Todes mit Liebe, und was daraus wird, ist nicht der Tod,
sondern das Leben. Das ist doch eine unglaubliche Überraschung! Das passt zu keiner
logischen Erklärung. Doch das ist das Geheimnis: Nichts stirbt für immer und alles, was
gestorben ist, wird in Liebe wiedergeboren. Ein Christ zu sein bedeutet also, zwangsläufig
und für immer ein Mensch der Hoffnung zu sein. Gott in Christus sagt, dass dies von Dauer
sein wird: Mein Leben und meine Liebe werden immer und für immer das letzte Wort haben.
Das ist für mich ein großer Trost. Obwohl ich mich aufrichtig bemühe, gelingt mir bei Leibe
nicht alles. Aber das macht nichts, weil der, der in mir wohnt auch mit Liebe auf mich blickt.
Was jeder von uns liebevoll in seinem Herzen bewahrt, das geht für ihn nicht verloren.
Deshalb kann bei Gott, der die unendliche Liebe ist, nichts verloren gehen. Er hat schon alles
für uns getan, weil er jeden von uns unbegrenzt liebt und daher kann für jeden von uns der
Tod nicht das letzte Wort sein, sondern nur die Auferstehung ohne Gerichtsverhandlung.
Pater Richard schreibt über die Auferstehung auch als einen innewohnenden Aspekt der
Inkarnation: Die Auferstehung Jesu ist eine wirkungsvolle, gezielte und überzeugende
Aussage darüber, was Gott immer noch und für immer mit dem Universum und der
Menschheit tut. Die Wissenschaft bestätigt diese Aussage nachdrücklich, indem sie ihre
eigenen Begriffe verwendet: Metamorphose, Kondensation, Verdunstung, jahreszeitliche
Veränderungen und die Lebenszyklen von allem, vom Schmetterling bis zum Stern. Die
natürliche Welt stirbt ständig und wird in verschiedenen Formen wiedergeboren. Gott
scheint immer und überall alles wiederauferstehen zu lassen. Es ist nicht so sehr etwas,
woran man „glaubt“, sondern vielmehr etwas, das man beobachten und sich lehren lassen
kann. Ich entscheide mich an die körperliche Auferstehung Jesu zu glauben, weil sie das
gesamte Geheimnis dieser materiellen und irdischen Welt und auch in unserem eigenen
Körper lokalisiert – der einzigen Welt, die wir kennen und der Welt, die Gott geschaffen und
geliebt hat und in der Gott sich für die Inkarnation entschieden hat. (Lest den gesamten 1.
Korintherbrief Kapitel 15, wo Paulus dies immer wieder auf vielfältige Weise sagt.)
Wenn die ursprüngliche göttliche Inkarnation wahr war und wahr ist, dann ist die
Auferstehung sowohl unvermeidlich als auch unumkehrbar. Wenn der Urknall der äußere
Ausgangspunkt des ewigen Christus-Mysteriums war, dann wissen wir, dass dieser ewige
Logos die Schöpfung an einen guten Ort führt und das Universum weder chaotisch noch
bedeutungslos ist. Alpha und Omega sind tatsächlich ein und dasselbe.
Im Epheser Brief 5, 14 steht:
Wache aus deinem Schlaf auf!
Erhebe dich von den Toten!
und Christus wird dein Licht sein.
Das Sonnenlicht ist die Energiequelle für unsere Erde, für jeden von uns und für das Leben
schlechthin. Seit ich eine Photovoltaik Anlage besitze ist das für mich noch viel spürbarer als
vorher. Licht ist gleichzeitig Materie und elektromagnetische Welle und so schnell wie sonst
nichts im Universum.
Pater Richard sagt: Bei der Auferstehung wurde Jesus als der ewige und unsterbliche
Christus geoffenbart. Im Grunde verwandelte sich der begrenzte Körper Jesu in
allgegenwärtiges Licht. Licht ist vielleicht die beste Metapher für Christus oder Gott. In Eph
5, 13-14 heißt es: „Und alles was an das Licht Gottes kommt, wird selbst hell und beginnt zu
leuchten. Licht ist stärker als alle Finsternis und Sünde.“
In den ersten sechs Jahrhunderten des Christentums galt der Moment der Auferstehung Jesu
meist als nicht malbar oder nicht darstellbar. Das Ereignis wird im Neuen Testament nicht
einmal direkt beschrieben. Alles, was überliefert wurde sind die Nachgeschichten –
fassungslose Wächter, sitzende Engel, besuchende Frauen und andere Auferstehungen: Bei
Matthäus 27:51–53 ist zu lesen: „Auch die Gräber wurden geöffnet. Und viele Leichname der
Entschlafenen wurden auferweckt“
Bitte beachtet, dass die Auferstehung in diesem vielsagenden Vers bereits gemeinschaftlich
verstanden wurde. Die meisten von uns erleben, wenn wir aufmerksam sind, solche
Auferstehungsmomente auch mitten in unserem Leben, wenn sich „der Schleier“ hin und
wieder öffnet. Jesus sagt: „Glaubt an das Licht, damit auch ihr Kinder des Lichts werdet“
(Johannes 12,36) und er lässt uns wissen, dass wir an demselben Geheimnis teilhaben und er
mit uns ist um diesen Prozess zu unterstützen.
Die Pfarrerin der Episkopalen Kirche Becca Stevens schreibt über die hoffnungsvolle
Botschaft des Morgenlichts:
„Licht bedeutet, dass wir in Hoffnung leben können, der Gerechtigkeit und Wahrheit
verpflichtet, in dem Wissen, dass das Licht uns niemals verlassen wird. Das Licht gehört uns
zum Anschauen und ermöglicht es uns, unser Lied selbst an unserem eigenen Ostermorgen
zu singen: „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“… Der Sonnenaufgang ist in der Ostergeschichte
nicht nur eine Tageszeit; es ist ein Zustand des Herzens. Der Sonnenaufgang ist der Raum, in
dem nächtliche Ängste hinter der Hoffnung verschwinden, in dem wir Frieden über unsere
Sterblichkeit im Rahmen der universellen Wahrheit spüren, dass die Liebe bleibt und in dem
wir spüren, wie das Licht die dunklen Horizonte der Herzen erklimmt, die wir verbarrikadiert
haben.“
Auch wenn einige Aussagen in dieser Audio Botschaft ungewohnt klingen mögen, so haben
sie mich und hoffentlich auch euch zunächst aufgerüttelt, aber danach auch mit Freude
erfüllt. Es wäre schön, wenn ich von euch eine Rückmeldung bekommen würde, wie es euch
damit ergangen ist.
Vom 2. bis 4. August findet wieder ein Cursillo „Weiter geht’s“ in Armstorf statt. Dazu lade
ich euch alle ein.
Euer Sepp Vilsmeier
Zum Schluss singen wir wieder aus unserem Cursillo Liederbuch das Lied Nr. 99 – „Christus
dein Glanz durchbricht die dunkle Nacht“

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